TOBIAS BEUSCHER

User Experience:

User Experience - Infografik

Eine positive User Experience kann das gesamte Markenerlebnis des Nutzers positiv beeinflussen – ebenso kann auch das Markenerlebnis im Allgemeinen Auswirkungen auf die User Experience im Speziellen haben.

Usability:

Denn: Schlechte Usability vertreibt die Kunden
Usability - Infografik

Usability ist mehr als Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit. Usability ist immer abhängig vom individuellen Nutzungskontext und dem Nutzungsziel, mit dem ein Produkt genutzt wird.

Usability-Tests mit Nutzerpartizipation:

"If you want a great site, you’ve got to test. After you’ve worked on a site for even a few weeks, you can’t see it freshly anymore. You know too much. The only way to find out if it really works is to test it." – Steve Krug (2006)

Usability-Tests (Labor)
Repräsentative Nutzer der Zielgruppe lösen realistische Aufgaben mit dem Web-Angebot & werden dabei von Usability-Experten beobachtet. Diese greifen aber selbst nicht aktiv in den Test ein. So kann ermittelt werden, an welchen Stellen der Interaktion und warum Probleme auftreten. Usability-Tests im Labor können in Kombination mit weiteren Maßnahmen wie Interviews, Think-Aloud oder Fragebögen durchgeführt werden.

Remote Usability-Tests
Ähnlich wie bei Usability-Tests im Labor lösen repräsentative Nutzer der Zielgruppe realistische Aufgaben mit dem Web-Angebot. Dies machen sie jedoch von Zuhause aus & ihr Bildschirm wird per Screencast aufgezeichnet. Die so entstandenen Testvideos werden anschließend von Usability-Experten ausgewertet und in Form eines Abschlussberichts aufgbereitet. Auch hier weiteren Maßnahmen wie schriftliche Interviews, Think-Aloud oder Fragebögen in Kombination durchgeführt werden. Remote Usability Tests - Skizze
Eyetracking-Tests
Im Fokus von Eyetracking-Tests steht die Analyse des Blickverlaufs und der Blickbewegungen typischer Nutzer bei der Interaktion mit dem Produkt.

Über Erfassung von Augenbewegungen (Sakkaden) und zentrierten Fokussierungen (Fixationen) können Rückschlüsse auf den Rezeptionsprozess der visuellen Wahrnehmung gezogen und das Aktivierungspotenzial von Elementen auf der Webseite gezogen werden. Visualisiert werden die Ergebnisse mit Hilfe von Heatmaps, Gaze Plots oder Blickverlaufspfaden.
 
Eyetracking-Tests - Skizze
 
Eyetracking-Tests können analog zu klassischen Usability-Tests stationär im Labor durchgeführt werden. Hierbei sitzt der Proband vor dem Testsystem, mit dem die Blickbewegungen aufgezeichnet werden. Mit Hilfe von mobilen Eyetracking-Brillen ist aber auch eine Nutzung im Feld möglich.
 
Für die Auswertung von Eyetracking-Tests wird jeweils eine bestimmte Software benötigt, wodurch quantitative Daten wie Zeit zum Erstkontakt, Blickverweildauer & Fixationshäufigkeiten ausgewertet werden können.

A/B-Tests & multivariate Tests
Eine der am häufigsten zur Evaluation und Optimierung der Usability eingesetzten Formen eines Usability-Tests. Bei A/B-Tests werden zwei sich in einem Merkmal unterscheidende Varianten eines Web-Angebots gegeneinander getestet & die bessere der beiden Versionen (hinsichtlich Kriterien wie Conversion Rate etc.) ermittelt. Führt man die Tests als multivariate Tests durch, können gleichzeitig mehrere Merkmale variiert werden.
 
Durchgeführt werden A/B-Tests in der Regel mit Hilfe von Drittdiensten wie Visual Website Optimizer oder Optimizely, über die die Tests eingerichtet & ausgewertet werden.
 
Mit A/B-Tests lässt sich somit der Effekt einzelner Merkmalsausprägungen (Headline 1 vs. Headline 2) messen, mit multivariaten Tests der Effekt der Kombination von Merkmalsausprägungen (Headline 1 zusammen mit Key Visual 2).
 
Die Tests bieten zudem den Vorteil, dass sich die am Test beteiligten Nutzer der Testsituation nicht bewusst sind.

Expertengestützte Usability-Analysen:


Cognitive Walkthrough
Im Zuge eines Cognitive Walkthrough versetzt sich ein Experte in die Perspektive eines Nutzers und simuliert das Vorgehen bei der Lösung konkreter Aufgaben und Handlungsabläufe. Für jede zu lösende Aufgabe gibt es eine Ideallösung – die Experten prüfen, ob die Nutzer diese mit dem Produkt auch ausführen können. Hierbei kann untersucht werden, wie leicht die Bedienung des Produkts zu erlernen ist.

Planung und Vorbereitung Hier werden folgende Punkte festgelegt:
  1. Wer sind die Nutzer des Produkts
  2. Welche Aufgaben sollen mit dem Produkt ausgeführt werden?
  3. Wie sieht die Ideallösung für die jeweiligen Aufgaben aus?
  4. Wie ist die Benutzeroberfläche des Produkts definiert?
Durchführung Die definierten Aufgaben werden durch die Experten simuliert und dabei folgende Fragen beantwortet:
  1. Wird der Nutzer versuchen, den erwünschten Effekt zu erreichen?
  2. Wird der Nutzer erkennen, dass die richtige Handlung ausgeführt wurde?
  3. Wird der Nutzer erkennen, dass die richtige Handlung zum gewünschten Effekt führt?
  4. Wird der Nutzer erkennen, dass das Ausführen der richtigen Handlungen zu einem Fortschritt bei der Aufgabenlösung führt?

Heuristische Evaluation
Experten prüfen und bewerten die Usability eines Produkts anhand verschiedener Usability-Prinzipien (Heuristiken). So wird versucht, möglichst viele Usability-Probleme, die bei einer späteren Nutzerinteraktion auftreten können, zu identifizieren.

Planung und Durchführung Die Evaluation mit Hilfe verschiedener Heuristiken wird wie folgt durchgeführt:
  1. Mehrere Experten untersuchen das Produkt mindestens zweimal unabhängig voneinander
  2. Identifizierte Probleme werden zusammengetragen & gemeinsam diskutiert
  3. Anschließend werden die Probleme nach Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit priorisiert
Heuristiken
  1. Allgemeine Heuristiken: lassen sich auf fast alle Arten von Web-Angeboten anwenden
  2. Kategoriespezifische Heuristiken: Gelten für bestimmte Arten von Web-Angeboten, bspw. Online-Shops
  3. Produktspezifische Heuristiken: beziehen sich immer auf das individuelle Web-Angebot und dessen spezifischen Besonderheiten

Leitfäden
Expertenleitfäden stellen Prüfverfahren dar, um die Ergonomie einer Software zu evaluieren und so die Konformität dieser zu verschiedenen Normen und Kriterien, bspw. EN ISO 9241-11 und EN ISO 9241-110, zu gewährleisten. In Leitfäden können allgemeine Usability-Kriterien Checklisten-artig evaluiert werden, aber auch spezifsche aus dem jeweiligen Produkt abgeleitete Kriterien können erfasst werden. Durch Leitfäden können die Kriterien lediglich hinsichtlich der Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung untersucht werden – nicht jedoch zielgruppenspezifische Nutzungsprobleme.
Usability-Leitfäden - Skizze
Merke jedoch: Es gibt nicht ein universell einsetzbares Verfahren:

Die Qualität der Ergebnisse einer Evaluation hängt letztendlich aber nicht nur von der Methode selbst ab, sondern auch von der Vorbereitung, wie z.B. Auswahl der Personen und Aufgaben sowie der Auswertung der erhobenen Informationen.
- Florian Sarodnick & Henning Brau

An absolute must is understanding the user’s task, culture, and capabilities; involving the users in the design early on; and testing and iterating, with or without users.
- Andreas Holzinger

Quellen u.A.:
  • Arndt, H. (2006): Integrierte Informationsarchitektur. Heidelberg: Springer.
  • Holzinger, A. (2005): Usability Engineering Methods for Software Development. In: Communications of the ACM, 49(1): 71-74.
  • Krug, S. (2010): Rocket Surgery Made Easy. München: Addison-Wesley.
  • Krug, S. (2006): Don’t Make Me Think, 2. Auflage. Berkeley: New Riders.
  • Kuhn, C. (2013): UX Design für Tablets. Frankfurt: entwickler.press.
  • Moser, C. (2012): User Experience Design. Heidelberg: Springer.
  • Nielsen, J. (1993): Usability Engineering. San Diego: Academic Press.
  • Nielsen, J./Loranger, H. (2006): Web Usability. München: Addison-Wesley.
  • Nielsen, J./Pernice, K. (2010): Eyetracking Web Usability. Berkeley: New Riders.
  • Sarodnick, F./Brau, H. (2011): Methoden der Usability-Evaluation, 2. Auflage. Bern: Verlag Hans Huber.